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Jon Blumingder Vater des Vollkontakt-KarateDer bekannteste europäische Schüler (später Mitarbeiter und leitender Trainer) von Mas Oyama ist ohne Zweifel Jon Bluming. Das Kyokushin Karate ist untrennbar mit seinem Namen verbunden: Er brachte das Kyokushin Karate 1961 nach Europa, wo es sich unter seiner Leitung als erstem Präsidenten der Europäischen Kyokushinkai Organisation schnell verbreitete. Als Verfechter realistischer Kampfweise war Jon Bluming immer um eine Erweiterung seines Könnens bemüht. Die Liste seiner Graduierungen:
Jon Bluming ist
einer der ganz wenigen auf der Welt, den man ohne Übertreibung als einen
universellen Budo-Experten bezeichnen kann. Er ist zudem einer der ganz wenigen
Großmeister weltweit, welcher nicht nur durch Training in seinen Kampfsystemen
groß wurde, sondern sich auch unzählige Siege bei Turnieren der
unterschiedlichsten Art erwarb.
Im Verlaufe seines
- über die Kriegszeit hinausgehenden - Aufenthaltes in Korea lernte Jon Bluming
dort zunächst 1951, während er auf das Schiff wartete, das ihn nach Holland
zurück bringen sollte, die Variante des Korenischen Karate in Yong Dong Po unter
der Leitung von Park, Kanshi, 8.Dan. Keine Begeisterung für "Kata-Karate" Sein Interesse
für Kampfsysteme führte ihn in die "Japan Karate Association", dem Vorläufer des
Shotokan-Verbandes. Seine Mitgliedschaft dort war allerdings nur von kurzer
Dauer: Für das ausschließliche Training von Kata und vorwiegend esoterischen
Übungen konnte sich der Kämpfer Bluming auf Dauer nicht begeistern.
Foto li.: Kaicho Bluming & Donn F. Draeger beim Jodo-Training Foto re.: Bluming beim Iai-Jutsu Schon kurz nach seinem Beitritt wurde Jon Bluming neben Masutatsu Oyama und Kenji Kurosaki der dritte Mann in der Führungsriege dieser jungen Organisation. Drei Jahre lang trainierte er täglich mit Mas Oyama und Kenji Kurosaki Kihon, Kumite und Kata. Nach dieser knochenharten Ausbildung gab es niemanden, der sich mit ihm messen konnte. Er wurde in kürzester Zeit der berühmteste Ausländer in Japan und 1961 zum 2. Dan Kyokushin Karate ernannt.
Foto : Mas´ Oyama und Jon
Bluming Technik als Mittel zum Sieg Er beeinflusste maßgeblich das damalige Oyama-Karate. Überliefert ist die Aufforderung Mas Oyamas: "Finde einen Kämpfer, der Jon Bluming im Kampf K.o. schlägt, und ich gebe ihm meinen 8. Dan." Die Basis des kämpferischen Durchsetzungsvermögens von Jon Bluming war seine Überzeugung, dass der Wert einer Kampftechnik nicht nach ihrem Aussehen oder ihrer ästhetischen Bewegungsform, sondern ausschließlich durch ihre Wirkung bestimmt wird.
Foto : Jon Bluming 1978 Stellten sich Aktionen anderer Stilrichtungen als erfolgreich heraus, wurden sie in das Trainingsprogramm übernommen. Diese Praxis wird auch heute noch geübt: Eine Technik, die Erfolg bringt, ist gut. Eine gute Technik wird übernommen, egal aus welchem Kampfsystem (Karate, Boxen, Judo etc.) sie ursprünglich kommt.
Die Mitglieder der
Oyama Dojo nahmen das Kämpfen sehr ernst. Sie erwarteten, entweder zu schlagen
oder geschlagen zu werden. Es gab fast keine Einschränkungen: Schläge zum Kopf
oder Genitalbereich waren genauso erlaubt, wie Würfe, Hebel- und Würgetechniken.
Kampf bedeutete Kampf bis zum K.o. oder Aufgabe (Aufgabe war allerdings aufgrund
der Bushido Ideologie fast nicht möglich). Kampftechnisch gesehen bevorzugt der
Kyokushin Stilist eher weiche Abwehrbewegungen und -techniken (tai sabaki); das
Hauptaugenmerk gilt der kompromisslosen Konteraktion. Gründung eines eigenen Dojo und des holländischen Karate Verbandes Im November 1961 kehrte Jon Bluming nach Holland zurück und gründete sein berühmtes Dojo ("Budo Kaikan") in Amsterdam. Im Januar 1962 wurde "The Nederlandse Karate Associatie" (N.K.A.) ins Leben gerufen und am 28. Juli 1965 in das nationale Register eingetragen.
In den folgenden
Jahren gewann er mit seinen Schülern jedes Turnier, darunter einige Weltmeister-
und etliche Europatitel! "Nebenbei" baute er in dieser Zeit die Europäische
Kyokushin Organisation auf und wurde ihr erster Präsident.
Am 15. Januar 1965 verlieh Mas Oyama in Anerkennung für die Kampferfolge und die Arbeit auf der Europäischen Bühne an Jon Bluming den 6. Dan. Es war das erste Mal, dass an einen Nichtjapaner eine so hohe Graduierung verliehen wurde.
Obwohl wieder in
Europa, beobachtete Jon Bluming die japanische Kyokushin Szene sehr genau. So
merkte er auch, dass sich das Interesse Mas Oyamas, das ja von Anfang an auf das
Geldverdienen mit Karate ausgerichtet war, immer mehr nur noch auf das
Geldverdienen konzentrierte. Jon Bluming bricht mit dem Honbu In seinen Augen verkam das Kyokushinkai Kan immer mehr zu einem Institut, dessen einzige Daseinsberechtigung darin bestand, so viel Geld wie möglich aus seinen Mitgliedern heraus zu pressen. Im Gegensatz dazu wurde der Kampfstil schwächer und schwächer. Er stellt sich heute dar als eine schwächere Form des Kickboxens bzw. als das härtere Taekwondo. Es hat nichts mehr zu tun mit dem Kampfstil der frühen Jahre. Bereits 1966
führte Jon Bluming im Honbu Dojo Mas Oyama seine Vorstellung von Kyokushin
(etwa: "streben nach höchstmöglicher Realität") vor. Kyokushin Budo Kai Dieses
Kampfsystem, das er Kyokushin Budo Kai nannte, beinhaltet Schlagtechniken mit
vollem Kontakt, sowie Wurftechniken mit anschließendem Bodenkampf. Regelmäßig
unterrichtet Jon Bluming auch in Japan, um dort - im Mutterland des Karate -
seinen Kampfstil vorzustellen. Es sind Ereignisse, über die in der japanischen
Fachpresse immer wieder ausführlich berichtet wird.Mas Oyama war nicht bereit
bzw. in der Lage, den technischen und ideellen Niedergang des Kyokushin Karate
zu stoppen und Änderungen "seines Weges" zu akzeptieren. Ein eigener Kampfstil Jon Bluming verließ aus diesem Grunde 1967 die Kyokushin-Organisation. Die folgenden Jahre widmete er seinem Plan, ein wirklich realistisches, trotzdem aber bei sportlichen Wettkämpfen durchführbares Kampfsystem zu entwickeln. Es entstand ein System, das erstmals eine echte Alternative zu den vielen Pseudo-Selbstverteidigungsformen darstellt. Ein System, das eine Technik erstmals in einem Karate-System nicht (nur) nach ästhetischen Gesichtspunkten, wie Schönheit und Anmut, sondern in erster Linie nach Effizienz und Anwendbarkeit beurteilt. Allerdings
erweist sich auch Jon Bluming als Karate-Traditionalist: Als Zugeständnis an die
fast 80-jährige Tradition des japanischen Karate wurden die Kata im Ausbildungs-
und Prüfungsprogramm beibehalten. Auch wenn der "Real Fight" Priorität besitzt,
kann der Kämpfer mit Kata "Meditation in der Bewegung" üben. Kein Weg zurück 1976 trat Mas Oyama an Jon Bluming mit der Bitte heran, wieder seiner Organisation beizutreten. Jon Bluming stellte in den diesem Thema gewidmeten Verhandlungen zwei wichtige Forderungen auf: Der Kyokushin-Stil solle wieder seinem Namen gerecht werden (Realitätsnähe), und der damalige Präsident der Europäischen Kyokushin Organisation - Loek Hollander - müsse die Organisation verlassen. Wie Jon Bluming darlegte, sei Loek Hollander weniger am Karate als Kampfsystem, sondern ausschließlich an Karate als Einnahmequelle interessiert. Dies konnte Jon Bluming nicht mit seiner eher von Idealen geprägten Vorstellung vereinbaren. Mas Oyama wollte sich nicht zu den geforderten Änderungen entschließen, sodass Jon Bluming schließlich seine eigene Organisation weiter ausbaute. Erfolgreiche Kämpfer 1989 flogen Jon Blumings Schüler Chris Dolman und Dick Vry nach Japan, um das dort neue Kampfsystem und die neuen Kampfregeln vorzustellen. Der Kampfstil wurde innerhalb kürzester Zeit sehr populär, Jon Bluming und sein "Kyokushin Budo Kai" war das Thema vieler Veröffentlichungen in der japanischen Presse. Bei den ersten Weltmeisterschaften 1993 in Tokio belegte Chris Dolman den 1. Platz, Dick Vry wurde Vize-Weltmeister. Auch Rang 4 wurde von einem Schüler Jon Blumings belegt. Es war also ein Erfolg auf der ganzen Linie: Ein sportlicher Erfolg für das Kampfsystem, ein persönlicher Erfolg für den Kopf dieses Systems, für Jon Bluming. Zu dieser Zeit gab es kaum Kämpfer, die bei einer Begegnung mit einem von diesen Top-Fightern Aussicht auf Erfolg gehabt hätten. Auch der berüchtigte "Crazy"-Clan des Jiu Jitsu weigerte sich, eine Einladung zum Vergleichskampf aufzunehmen. Jon Bluming mit dem 10. Dan geehrt Am 4. September 1993 wurde Jon Blumings Wirken für das internationale Karate mit der Verleihung des 10. Dan geehrt. Erstmals in der Geschichte des Karate wurde damit nicht nur ein Nichtjapaner Träger der höchstmöglichen Graduierung, die Ernennungsurkunde wurde zudem von den Vertretern der fünf größten japanischen Karate-Organisationenen unterzeichnet. Weltweit
besitzen drei Karate-Lehrer den 10. Dan: Kokoro
Jon Bluming: "Ohne
Kokoro ist Budo wie eine leere Muschel!" Foto : Kaicho Jon Bluming 2005 Biographie Die ausführliche Biographie (holländisch / englisch) von Kaicho Jon Bluming ist als Buch erhältlich (vom Strassenkind zum 10. Dan). Es kann direkt bei Kaicho Bluming bestellt werden.
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